Im Einsatz für die Fernwärme

Seit 1974 sorgt Bernd Bodlin für Fernwärme in Gotha und feiert dieses Jahr sein 45-jähriges Dienstjubiläum.

Ganz in seinem Element: Bernd Bodlin in der Netzleitstelle des Kraftwerks

Seitdem hat sich einiges getan. Als er 1974 zu den Stadtwerken Gotha kam, wurde die Wärme noch in rußenden Braunkohleheizkraftwerken erzeugt.

Herr Bodlin, seit wann werden die Menschen in Gotha überhaupt mit Fernwärme versorgt?
Das war noch vor meiner Zeit bei den Stadtwerken: Das erste Heizkraftwerk wurde bereits 1968 in der Leinastraße in Gotha errichtet, 1974 folgte dann der Bau des Braunkohleheizkraftwerkes Gotha-Ost in der Friemarer Straße. Damit wurde der Grundstein für die heutige Fernwärmeversorgung gelegt.

Kennen Sie die beiden Kraftwerke noch?
Ja, denn ab 1974 trat ich meine Arbeit als Serviceleiter und Leiter der Instandhaltung am Standort Breite Gasse an. Dort befand sich eine der ehemaligen Umformstationen, die die Wärme aus den zwei Kraftwerken an über 10.000 Wohnungen im Westteil der Stadt, in Siebleben und im Blumenbach-Viertel verteilten. Ursprünglich versorgten die Kraftwerke insbesondere die Volkseigenen Betriebe (VEB) mit Dampf. Energieengpässe und hohe Rohstoffpreise führten aber dazu, dass die zentralen Großfeueranlagen auch Wohnungen mit Wärme belieferten.

Wer war damals für die Fernwärmeversorgung zuständig?
1991 gründete sich mit der ehemaligen Fernwärmestadtwerke Gotha GmbH ein kommunaler Energieversorger mit hundertprozentiger Beteiligung der Stadt Gotha. Das Unternehmen war damals nur für die Verteilung der Wärme zuständig, die von der ENAG geliefert wurde. Als mit dem Rückgang der Industrie in der Umgebung in Gotha die Großabnehmer wegfielen, wurden die beiden Heizkraftwerke Gotha-Ost und Gotha-West schließlich nicht mehr gebraucht. Die Wohnungsversorgung rückte plötzlich in den Vordergrund und das Unternehmen brauchte eigene Kraftwerke.

Wie wirkte sich diese Veränderung auf die Fernwärmestadtwerke Gotha aus?
Die Fernwärmestadtwerke Gotha entwickelten sich zu einem selbstständigen regionalen Dienstleister für Fernwärme. In den 90er-Jahren errichteten sie zwei neue Blockheizkraftwerke, die bis heute in Betrieb sind: Das Heizkraftwerk Gotha-West und das Heizkraftwerk in Siebleben. Durch das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung ­arbeiten sie besonders umweltschonend und effizient – kein Vergleich zu den Abgase pustenden Braunkohleheizkraftwerken aus den 70ern. Auch für mich ging der Bau der beiden Erzeugungsanlagen mit einer Veränderung einher: Ich arbeitete an den Standorten als Kraftwerksleiter.

Heute gibt es die Fernwärmestadtwerke Gotha nicht mehr. Wie kam es dazu?
Das ist richtig. Heute gibt’s Energie in Gotha, also Strom, Erdgas und Fernwärme, von der Stadtwerke Gotha GmbH aus einer Hand. Das ist nicht nur praktisch für den Kunden, sondern macht das Unternehmen auch stark für die Energiewende. Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen erfolgte im Jahr 2013.

45 Jahre arbeiten Sie schon bei den Stadtwerken. Wird der Alltag nicht langweilig?
Auf gar keinen Fall! Wie Sie anhand der ­Geschichte der Fernwärmeversorgung in Gotha sehen, ist die Energiewelt ständig im Wandel. Mein Beruf stellt mich jeden Tag vor neue Herausforderungen und das gefällt mir. Außerdem habe ich so die Möglichkeit, die Energiewende aktiv mitzugestalten. Aktuell arbeiten wir auch an einem dritten Blockheizkraftwerk – an meinem alten Arbeitsstandort in der Breiten Gasse. Drei Motoren und ein Gaskessel werden hier schon bald umweltfreundlich Strom und Wärme mit einer Leistung von 17 Megawatt produzieren.