Ohne erneuerbare Energie kein Atomausstieg?

Interview mit Udo Weingart, Leiter Vertrieb und Energiebeschaffung der Stadtwerke Gotha, über die aktuelle Energiepolitik.

Was sagen Sie zur aktuellenEnergiestrategie?

Zunächst einmal finde ich es gut, dass wirüberhaupt eine Strategie für unsere Energiepolitikhaben. Nach der nuklearen Katastrophein Fukushima war der Ausstiegaus der Kernenergie nur konsequent undrichtig. Aber mit dem Blick auf die zu reduzierendeCO2-Ausstoßbilanz war dieAtomkraft auch eine Alternative.

Wenn Atomstrom preiswert ist, verteuertnicht der Ausstieg die Energie?

Atomenergie ist die günstigste der konventionellenEnergiearten, weshalb siebisher zur Deckung der Grundlast verwendetwurde. Ich bin davon überzeugt, dasswir den Atomausstieg schaffen und denAtomstrom durch Strom aus erneuerbarenEnergien ersetzen können. Außerdementwickelt sich die Technik weiter, Elektrogeräteund Produktionsprozesse werdensparsamer. Gerechnet pro Kilowattstunde ist Atomstromzunächst günstiger als Strom ausKohle- oder Gaskraftwerken. Leider wirdgern vergessen, die Kosten für die Lagerungvon verbrauchten Brennstäben einzurechnen.Fällt nun die günstige Atomstromproduktionweg, wird Strom alsGesamtes betrachtet natürlich teurer. Wirkönnen also sagen, dass der Atomausstiegzwar die Energie verteuert, aber nichtmaßgeblich und nicht allein.

Woher rührt die Verteuerung dann?

Der Anteil von Strom aus erneuerbarenEnergien ist in den letzten 15 Jahren stetiggestiegen und beträgt heute mehr als25 Prozent. Für diesen Strom gibt es seitInkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eine gesetzlich festgelegteVergütung. Für ein Viertel der Stromproduktionist der Preis staatlich reguliert undbildet sich nicht nach den Gesetzen desMarktes, also nicht nach Angebot undNachfrage.

Ist das EEG denn noch sinnvoll?

Das ist leider nicht einfach mit ja oder neinzu beantworten. Das EEG fördert den weiterenAusbau der Stromproduktion aus erneuerbarenEnergien. Insofern sind wir mitdem EEG auf dem richtigen Weg. Als esanfangs darum ging, Interesse für SonnenundWindkraftanlagen zu wecken, wareine hohe Förderung richtig. Die kleinergewordene Förderung pro Kilowattstundezeigt, dass die Politik auf die geringerenHerstellungskosten und die damit höherenErträge solcher Anlagen reagiert hat.

Was ist das Problem mit dem EEG?

Stellen wir uns vor, wir sind Investor undwollen ein Windrad aufstellen. Zunächstsuchen wir nach einem Standort, dergünstig ist und von dem wir uns einenmöglichst hohen Ertrag versprechen, woalso viel Wind weht. Also: Das Windradkommt dorthin, wo es am meisten bringt.Leider wird nicht berücksichtigt, ob inder Nähe des Windrades überhaupt weiterStrom benötigt wird. Viele Windräderstehen in Gebieten, in denen viel Wind,aber wenig Stromabnehmer vorhandensind. Also muss der Strom über hunderteKilometer zum Verbraucher transportiertwerden – das kostet viel Geld. Hinzukommen Stromverluste von ca. 6 Prozentpro 100 km Leitungslänge im Hochspannungsbereich.

Was wäre Ihr Lösungsvorschlag?

Es müsste im Gesetz festgelegt werden,dass die Förderungen in Gebieten, in denender Strom nicht gebraucht wird, geringersind als in Ballungsgebieten. Dannmuss der Strom auch nicht quer durchDeutschland transportiert und es müsstenweniger Stromleitungen gebaut werden.